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Nachbetrachtung RehaForum 2017

Bundesteilhabegesetz – für ein inklusives Arbeitsleben

Das Produktmanagement Rehabilitation der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH veranstaltete in diesem Jahr zum 8. Mal das RehaForum. Mitveranstalter war das Teilprojekt Bayern des bundesweiten Modellprojektes "Unternehmens-Netzwerk INKLUSION". Unter den 120 Gästen der ausgebuchten Veranstaltung waren u.a. Repräsentanten der Deutschen Rentenversicherung, der Bundesagentur für Arbeit, der Jobcenter, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Vertreter der Haftpflichtversicherungen, Rehakliniken sowie Rehakoordinatoren/innen der bfz-Standorte. Die Veranstaltung fand am 12. Juli 2017 im nh-Hotel in Nürnberg statt.

Begrüßung durch Wolfgang Braun - Geschäftsführer bfz gGmbH Auditorium Rehaforum

 

In der Eröffnungsrede zeigte Wolfgang Braun, Geschäftsführer der bfz gGmbH, die Entwicklungen im Teilhabebereich innerhalb der Unternehmensgruppe auf:

"Das neue Projekt ´Unternehmens-Netzwerk INKLUSION´ hat am 01.02.2017 begonnen und läuft in Bayern in den Projektregionen Oberpfalz, Unterfranken und Schwaben. Das bundesweite Modellprojekt wird vom BMAS gefördert und von Bildungswerken der Wirtschaft in acht Bundesländern umgesetzt. Ziel dieses Beratungsprojektes ist es, Unternehmen aufzuschließen für die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung.
Wir konnten den Zuschlag für zwei Modellprojekte im Themenfeld „Teilhabe am Arbeitsleben und Digitalisierung" erhalten.
Außerdem konnten wir ein weiteres Berufliches Trainingszentrum (BTZ) im bfz Kempten eröffnen. Seit Januar 2017 steht diese Teilhabeleistung Menschen mit seelischen Behinderungen zur Verfügung."

Ottmar Waterloo, Leiter des Produktmanagement Rehabilitation, führte mit seiner Rede auf das Thema der Veranstaltung hin:

"Aktuell gibt es viele Herausforderungen im Rehabereich, dies zeigt auch die Diskussion, die den Gesetzgebungsprozess des Bundesteilhabegesetzes begleitet hat. Die Agenda des diesjährigen RehaForums liefert einzelne Beiträge um sowohl Herausforderungen als auch Lösungswege für eine inklusivere Arbeitswelt aufzuzeigen und zu diskutieren."

Ottmar Waterloo - Leiter Produktmanagement Rehabilitation

Fachvorträge zum Bundesteilhabegesetz

Frau Janett Zander, seit 16 Jahren Referentin bei der Deutschen Rentenversicherung Bund und maßgeblich Beteiligte an der Fortentwicklung des Qualitätsmanagement im Rehabereich der gesamten Rentenversicherung u.a. durch die „Leistungsklassifikation in der beruflichen Rehabilitation"(LBR) gab einen einen aktuellen Überblick zu § 11 SGB IX (neu) „Modellvorhaben zur Stärkung der Rehabilitation".

Frau Zander ist seit März 2017 beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und widmet sich im neu gegründeteten Referat Va 6 ausschließlich dem neuen Thema „Modellvorhaben zur Stärkung der Rehabilitation". Mit dem Aufruf trägerübergreifend zu denken und innovative Ideen und Projekte zur Stärkung der Rehabilitation einzureichen, appellierte Sie an das Fachpublikum der Veranstaltung. Um erfolgreiche Modellvorhaben nachhaltig wirken zu lassen, emphielt Frau Zander die wissenschaftliche Begleitung der Förderprojekte sicherzustellen.

Frau Zander, BMAS

 

Herr Martin Pfitzenmaier der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, sprach als zweiter Fachreferenten zu § 60 SGB IX (neu) „Andere Leistungsanbieter".

Herr Pfitzenmaier, tätig als stellvertretender Fachbereichsleiter im Bereich „Berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung" kurz Reha/SB, gab Einblick in die Geschäftspolitik der BA im Bereich WfbM in Bayern und verwies auf das „Fachkonzept für Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich in Werkstätten für behinderte Menschen", das 2010 bundeseinheitlich vereinbart wurde. Herr Pfitzenmaier hob hervor, dass Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorrangiges Ziel sei und Übergangsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt durch anschlussfähige modulare Bildungsangebote, Praktika und Modellprojekte geschaffen werden. Die Neuerungen in §60 SGB IX (neu) „Andere Leistungsanbieter" ab Januar 2018 eröffnen den Menschen eine Alternative zu den WfbM zu Gunsten von inkusiveren/betriebsnäheren Lösungen.

Herr Pfitzenmaier, BA

 

Im Expertengespräch gaben der ausgewiesene Sozialrechtsexperte Herr Dr. Hans-Günther Ritz und Leiter des Produktmanagements Herr Ottmar Waterloo Einblick in die Entwicklung und das Zustandekommen von §61 SGB IX (neu) „Budget für Arbeit":
Ein Lohnkostenzuschuss bis zu 75% d. Arbeitsentgeldes, der nebst Anleitung und Begleitung, einen Arbeitgeber dazu bewegen kann, mit dem Menschen mit Behinderungen trotz dessen voller Erwerbsminderung einen regulären Arbeitsvertrag zu schließen.

Sozialrechtsexperte Herr Ritz

Beispiele guter Praxis

Ein neuer Name, ein neues Logo, doch die Strategie bleibt: Nach drei Jahren Modellprojekt „Wirtschaft inklusiv" schließt sich das neue Projekt „Unternehmens-Netzwerk INKLUSION" dem Vorhaben aus der Wirtschaft für die Wirtschaft an.

Herr Christian Gabler von „Unternehmens-Netzwerk INKLUSION" berichtete von der Erfolgen der letzte drei Jahre und veranschaulichte ganz praxisnah die positive Wirkung von Beratung. Zu Gast war Herr Albert Pöllath der Firma Pöllath GmbH & Co. KG, die seit über 65 Jahren Experte rund um Haustüren, Garagen- und Industrietore in Nordbayern ist. Authentisch erzählte Herr Pöllath von der anfänglichen Überforderung im Dschungel der Unterstützungsleistungen für Menschen mit Schwerbehinderung und über die Erleichterung, Herrn Gabler als Ansprechpartner gefunden zu haben. Herr Gabler besuchte Herrn Pöllath im Betrieb und berät ihn fortlaufend; durch die Unterstützungsleistung von „Unternehmens-Netzwerk INKLUSION" konnte so die Fortbeschäftigung eines Mitarbeiters gesichert werden. „Ich habe festgestellt, dass ein gutes Personalklima im Betrieb von großer Bedeutung ist und so auch langfristig Leistungsfähigkeit sichergestellt werden kann", betonte der Oberpfälzer Pöllath.
„Unterstützung aus einer Hand" sei die Devise, so Gabler, und augenscheinlich erfolgreicher Garant für eine inklusive Arbeitswelt.

Herr Gabler, Unternehmensnetzwerk Inklusion

 

Im Folgenden stellte Herr Waterloo vier Praxisverläufe der bfz-Standorte Nürnberg, Aschaffenburg und Landshut dar. Die Integrationsverläufe der Rehabilitanden wurden bereits in den letzten Jahren auf den RehaForen vorgestellt. Ein Blick auf die nachhaltige Integration und den Stand heute zeigte erfreuliche Ergebnisse: unbefristete Arbeitsverhältnisse in zwei Fällen, Weiterbeschäftigung im Integrationsbetrieb und eine Stabilisierung der Gesundheit aller vier Personen.

Nachhaltige Integration konnten die Besucher des RehaForums auch am Standort Westmittelfranken erleben. Unser Gast Herr Georg Müller von Georg Müller GmbH Sandwerke, der vor drei Jahren bereits beim RehaForum war, berichtete, dass sein Mitarbeiter, ehemaliger Rehabilitand des bfz Westmittelfranken, mittlerweile fester Bestandteil des Teams sei. Herr Müller veranschaulichte praxisnah seine Vorgehensweise „Ich höre meinen Mitarbeitern zu, wenn einer über den Hof kommt und etwas erlebt hat, zum Beispiel den Wagen in den Graben gefahren hat, dann muss er es erzählen. Ich weiß wie es meinen Leuten geht. Herr H. hatte in der Kiesgrube Probleme mit der Luft, also habe ich ihn zum Holztransport in den Wald geschickt - dort, an der frischen Luft, ging es ihm gut." Herr H. hatte aufgrund einer Lungenproblematik seinen alten Beruf nicht mehr ausüben können und wurde über die Leistung Rehamanagement intergriert.

Gespräch mit Vertreter von Georg Müller GmbH Sandwerke Fragen aus dem Fachpublikum

 

Ein weiteres good-practice Beispiel wurde am Nachmittag vorgestellt. Wir hatten Herrn Englert, ehemaligen Teilnehmer des bfz Aschaffenburg zu Gast. Herr Englert ist heute Mitarbeiter der Firma Gustav Konrad GmbH Holztechnik, deren Geschäftsführerin Frau Kirchler ebenfalls zu Gast war. Der Standort Aschaffenburg wurde vertreten durch die Kollegin Frau Hauser, Psychologin und Reha-Fachkraft, die Herrn Englert bis zur Integration begleitete.
Frau Hauser berichtete, dass Herr Englert aufgrund eines Arbeitsunfalls in der Schreinerei mehrere Finger der linken Hand verloren hatte und dies für ihn als Linkshänder nicht nur motorisch einschränkend, sondern auch psychisch stark belastend war. Herr Englert zeigte sich anfangs nur mit Handschuh und verarbeitete den Unfall zögerlich. „Ich hatte doch ein Problem mit der Hand und nicht mit dem Kopf", so schilderte Herr Englert seine vorerst skeptische Haltung gegenüber einer flankierend psychotherapeutischen Unterstützung. Die Entscheidung für diese Unterstützungsleistung betrachtet er rückblickend positiv, da er sich im Nachgang wieder in ein Sägewerk und sogar an eine Maschine wagte.

Sehr erfreulich, dass Herr Englert nun seit fünf Jahren im Bertrieb Gustav Konrad GmbH Holztechnik tätig ist und dort als Leiter einer Arbeitsgruppe führende Position einimmt. An die Anfänge und besonders den ersten Anruf von Frau Hauser vom bfz erinnert sich die Geschäftsführerin Frau Kirchler noch genau: „Meine Haltung ist die: wer motiviert ist zu arbeiten, verdient die Chance gehört zu werden."

Gespräch mit Vertretern von Gustav Konrad GmbH und bfz Aschaffenburg

 

Wir blicken auf eine abwechslungsreiche und lebendige Veranstaltung zurück: unterhaltsame Episoden, fachlicher Input, Einblicke in betriebliche Praxis mit Menschen für die Inklusion Teil des beruflichen Alltags ist, daneben gab es Raum für Austausch und Begegnung.

Sie erhalten die Vorträge der Dozenten beiliegend.

Wir hoffen auch Ihnen ist das RehaForum 2017 in positiver Erinnerung geblieben.


Vielen Dank für Ihren Besuch und Beitrag

Das Team vom PM Reha

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