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Von der Sprachkurs-Teilnehmerin zur Schülerbetreuerin

bfz Regensburg

Munira Saado flüchtete 2015 mit ihrer Familie von Syrien nach Deutschland. Sie schildert ihren Weg von der Teilnehmerin in Sprach- und Integrationskursen bis hin zu ihrer jetzigen Tätigkeit in der Nachmittagsbetreuung.

Seminarleiterin Elisabeth Lammel-Karg spricht mit der ehemaligen bfz-Teilnehmerin Munira Saado über ihren beruflichen Werdegang in Deutschland

Die 47-jährige Munira Saado kam Ende Oktober 2015 mit ihrem Mann und ihren Kindern (damals 17 und 9 Jahre alt) von Syrien nach Deutschland. Durch Integrations- und Sprachkurse der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Regensburg lernte sie schnell die deutsche Sprache. Seit September 2019 arbeitet sie beim Tochterunternehmen, der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) Regensburg, in der Nachmittagsbetreuung an der Realschule in Abensberg. Wir haben mit Munira Saado gesprochen und sie nach ihren Erfahrungen und ihrer Motivation gefragt.

bfz Regensburg: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Munira Saado: In Syrien gibt es Krieg. Wir sahen für uns und unsere Kinder keine Sicherheit und Perspektive mehr in diesem Land. Hinzu kommt, dass wir als Kurden immer größere Probleme als die anderen hatten. Unsere Sprache war in der Schule oder bei Behörden nicht erlaubt, man hatte es schwerer als arabische Menschen, eine Arbeit zu finden.

Welchen Beruf haben Sie in Syrien ausgeübt?
Saado: Ich habe nach dem Abitur eine zweijährige Ausbildung zur Grundschullehrerin absolviert und ebenso wie mein Mann als Lehrkraft gearbeitet.

Und wie war die Ankunft in Deutschland?
Saado: Nach sechs Wochen in einer Sammelunterkunft in Landshut konnten wir nach Neustadt an der Donau umziehen. Dort waren wir in einem Haus mit anderen syrischen Familien untergebracht und haben sehr schnell einen Integrationskurs bei den bfz absolviert. Ich war neugierig auf die Menschen in Deutschland, ich wollte immer wissen, wie die Lebensweise hier ist und so schnell wie möglich viel lernen.

Wie lief es mit dem Deutschlernen?
Saado: Ich sprach bereits etwas Englisch, musste aber mit der deutschen Sprache bei null anfangen. Meine Sprachbegabung und mein Interesse für andere Sprachen haben mir aber sehr geholfen, ich konnte mich nach vier Monaten bereits einigermaßen auf Deutsch verständigen. Ohne Sprache ist man in einem anderen Land sprachlos, deshalb habe ich noch weitere Kurse gemacht bis hin zum Niveau C1, das ich mündlich bestanden habe.

Arbeit und Wohnung sind ja auch sehr wichtig, um hier ein gutes Leben führen zu können.
Saado: Im Nahen Osten denkt man, dass in Deutschland jeder für sich bleibt und die Menschen nicht so hilfsbereit sind. Wir haben aber so viel Unterstützung vom Helferkreis vor Ort bekommen. Nach vier Monaten konnten wir in eigene Wohnung ziehen. Nach einem Jahr brauchten wir keine finanzielle Unterstützung vom Jobcenter mehr, da mein Mann Arbeit als Busfahrer gefunden hatte. Wir wollten keine Belastung für die Menschen hier sein, deshalb war es uns wichtig, schnell finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.

Und wie erlebten Sie den Umgang mit den Menschen vor Ort?
Saado: Wir waren bereits in Syrien sehr "open minded", gerade auch durch unseren Beruf als Lehrer. Wir sind offen auf die Menschen hier zugegangen und wurden auch nie angefeindet. Im Helferkreis waren sie immer stolz auf uns, dass wir so schnell die Sprache gelernt haben. Unsere Kinder sind noch besser integriert als wir selbst, viele denken, dass sie hier schon geboren sind. Die Deutschen haben so viel für uns getan, ich werde immer dankbar dafür sein.

Warum wollten Sie auch die deutsche Staatsbürgerschaft?
Saado: Einerseits aus ganz praktischen Gründen: Wir möchten gerne ein Haus kaufen und als Ausländer bekommt man keinen Kredit bei der Bank. Andererseits ist es für mich persönlich auch eine Art "Belohnung", weil ich mich angestrengt habe.

Und wo ist jetzt Heimat für Sie?
Saado: Der syrische Pass bedeutet mir vom Gefühl her nicht so viel, da wir als Kurden in Syrien nie so richtig dazugehört haben. Ich vermisse natürlich meine Familie, die noch dort lebt, wo ich aufgewachsen bin. Ich kann sie nicht besuchen, da ich kein Risiko eingehen will. Aber ich habe mittlerweile auch ein deutsch-kurdisches Enkelkind, das gut zwei Jahre alt ist. Meine Kinder, mein Mann und ich, wir haben hier in Deutschland eine so viel bessere Perspektive, dass ich den Schritt aus der Heimat wegzugehen überhaupt nicht bereue. Ich würde mich wieder so entscheiden. 

 

Auf dem Foto: Elisabeth Lammel-Kargl (links, Seminarleiterin am Standort Abensberg) mit der ehemaligen bfz-Teilnehmerin und jetzigen gfi-Schülerbetreuerin Munira Saado.

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