Wer einen Integrationskurs beginnt, steht oft vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig: einem neuen Umfeld, einer neuen Sprache und vielen Situationen, in denen Worte fehlen. Bei den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) am Standort Aschaffenburg ist der Kursweg klar strukturiert. „Eine Grundidee ist, dass Sprechen ein zentraler Motor des Lernens ist. Was im Kurs passiert, zielt immer darauf ab, Sprache aktiv zu nutzen, um die alltäglichen Hürden zu meistern“, erklärt Clarissa Eck, Koordinatorin des Sprachbereichs bei den bfz Aschaffenburg.
Aufbau: individuelle Einstufung
Am Anfang steht ein Einstufungstest, der zeigt, welches Sprachniveau bereits vorhanden ist und in welchem der sechs Module der Einstieg sinnvoll ist. Für die Teilnahme ist eine Berechtigung des Jobcenters oder eine Zulassung der Agentur für Arbeit notwendig. Alternativ besteht die Möglichkeit, den Kurs auch als Selbstzahler oder Selbstzahlerin zu besuchen. Die Kurse finden am Vor- oder Nachmittag statt und umfassen in der Regel jeweils vier Zeitstunden pro Tag.
Inhalte: dialogorientiertes Lernen
Der Integrationskurs besteht aus 600 Unterrichtsstunden. Die Inhalte orientieren sich an Alltagssituationen wie Arztbesuchen, Gesprächen mit Behörden, Schule und Kita, Wohnen, Einkaufen oder Arbeitssuche. Eine Lehrkraft beschreibt ihren Ansatz so: „Wir arbeiten mit Beispielen, die für das Leben in Deutschland relevant sind. Grammatik gehört dazu, aber entscheidend ist, dass die Teilnehmenden sprechen, auch dann, wenn es noch holprig ist.“ Deshalb sind viele Übungen dialogorientiert. Fehler gelten nicht als Störung, sondern als notwendiger Teil des Lernprozesses. „Wer spricht, lernt schneller. Schweigen hilft niemandem weiter“, sagt sie.
Prüfung: Lernen für den Alltag und das Zertifikat
Nach Abschluss der sechs Module folgt die Vorbereitung auf den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ). Typische Aufgabenformate werden eingeübt, Prüfungsabläufe erklärt und individuelle Rückmeldungen gegeben. Eine Lehrkraft fasst die Prüfungsphase zusammen: „Wir trainieren in den letzten Wochen viele Aufgabenformate und Redewendungen, die im Alltag und in der Prüfung eine große Hilfe sind.“
Orientierungskurs: Sprache als Zugang zur Gesellschaft
Zum Integrationskurs gehört außerdem der 100-stündige Orientierungskurs. Hier stehen Themen wie demokratische Strukturen, Grundrechte, Gleichberechtigung, kulturelles Leben und historische Entwicklungen im Mittelpunkt. Eine Dozentin beschreibt die Bedeutung so: „Der Orientierungskurs zeigt, wie dieses Land funktioniert und warum Sprache der Zugang dazu ist.“
Anmeldung
Informationen zu freien Plätzen, Kurszeiten und Anmeldung sind direkt beim bfz Aschaffenburg oder bei der Außenstelle Miltenberg erhältlich. Einstufungstermine können per E-Mail unter sprache-ab@bfz.de angefragt werden.