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Vom Schüler zum Lehrer

Führungskräfte für die Kunststoffregion Weißenburg werden seit rund 30 Jahren direkt vor Ort ausgebildet – nämlich an der Weißenburger Technikerschule. Armin Rachinger ist erfolgreicher Absolvent und heute selbst dort Lehrer.

News- Bild: Ein Mann, der ein Kunststoffteil in der Hand hält, posiert für die Kamera

Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) Westmittelfranken: Warum haben Sie sich 2008 für eine berufsbegleitende Weiterbildung an der bfz-Fachschule für Kunststofftechnik und Faserverbundtechnologie Weißenburg entschieden? 
Armin Rachinger: Nach der Ausbildung zum Werkzeugmechaniker wollte ich mich weiterbilden. Das Angebot der bfz hat mich angesprochen, denn ich wohne in Weißenburg und arbeite beim Kunststoffverarbeiter Plastic Omnium. Die Schule vor Ort erspart mir also das Pendeln. Und die 18 Schulstunden am Freitagnachmittag und Samstag waren mir lieber als Unterricht unter der Woche. 

Was ist Ihre beste Erinnerung an die vierjährige Schulzeit von 2008 bis 2012? 
Rachinger: Ich war Teil einer Klasse mit stark ausgeprägtem Gruppengefühl. Die Schule fördert das: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung begegnen sich auf Augenhöhe. Die Klassen haben ein großes Mitspracherecht. Ein Beispiel: Zu meiner Zeit gab es im letzten Schuljahr keinen Matheunterricht mehr. Da wir uns das Fach aber zur Prüfungsvorbereitung gewünscht haben, erhielten wir ganz unkompliziert und ohne Mehrkosten zwei Stunden pro Woche Unterricht in dem Fach. Inzwischen steht Mathematik im letzten Jahr standardmäßig im Stundenplan. Die Schülerinnen und Schüler können mit einer zusätzlichen Matheprüfung so inzwischen ihr Fachabi ablegen. Daran sehen Sie, wie aus spontanen Behelfslösungen oft langfristig sinnvolle Umstrukturierungen vorgenommen werden – ganz im Sinne der Schülerinnen und Schüler.

Warum war Ihnen eine berufsbegleitende Weiterbildung wichtig? 
Rachinger: Im Gegensatz zu einer rein schulischen Vollzeit-Weiterbildung bekomme ich bei der parallelen Präsenz im Betrieb alles mit, auch interne Stellenausschreibungen. So bin ich noch während der Schulzeit auf die Stelle aufmerksam geworden, die ich später mit meinem Technikerabschluss angenommen habe.

Sie haben nach dem Abschluss zum staatlich geprüften Kunststofftechniker einen Bachelor-Studiengang in angewandter Kunststofftechnik absolviert. Jetzt sind Sie stellvertretender Abteilungsleiter im Qualitätsmanagement bei Plastic Omnium. Helfen die in der Fachschule erworbenen Kompetenzen im beruflichen Alltag? 
Rachinger: Während der Schulzeit steigt die Expertise und das wird auch im Betrieb anerkannt. Seitdem kommen die Kolleginnen und Kollegen oft zu mir und fragen nach meiner Einschätzung bei Problemen. 

Seit 2020 sind Sie selbst nebenberuflicher Lehrer an der Fachschule. Sie unterrichten die Technologien neuer Werkstoffe sowie Qualitäts- und Umweltmanagement. Welche Neuerungen erwarten den Jahrgang 2022? 
Rachinger: Das technische Equipment ist bei den bfz auf einem erstklassigen Stand. Eine Grundstruktur gab es vorher schon, aber während der Pandemie wurde diese stark ausgebaut. Es gibt jetzt in allen Klassenräumen Surroundsysteme, Mikrofone am Lehrkräftepult und ein schwenkbares Kamerasystem. Alle Schülerinnen und Schüler haben einen eigenen Microsoft Teams-Account, mit dem sie immer und von überall aus teilnehmen können. Wenn ich auf Dienstreise bin, halte ich meinen Unterricht vom Hotelzimmer aus ab. Das habe ich jetzt vielfach getestet und es funktioniert tadellos. 

Welcher Lehrertyp sind Sie? 
Rachinger: Ich will den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegnen. Das habe ich in meiner damaligen Zeit als Schüler positiv erlebt und das wird noch heute vom ganzen Kollegium und von der Schulleitung aktiv mit getragen. Ich lebe diese Einstellung selbst in meinem Unterricht. Im Fach "Technologien neuer Werkstoffe" habe ich meiner Klasse zum Beispiel einen Themenpool zur Auswahl gestellt. Sie durften selbst entscheiden, auf welche wir uns fokussieren. Das Feedback am Ende des Schuljahrs war sehr gut. 

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