Als Yasmin Schaad nach der Elternzeit wieder in ihren alten Beruf als Arzthelferin (heute Medizinische Fachangestellte, MFA) zurückkehren will, merkt sie schnell: Das funktioniert so nicht mehr. Eine Vollzeitstelle mit langen Mittagspausen passt nicht mehr zu ihrem Leben als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern. Also wagt sie den Neuanfang. Heute macht sie eine Ausbildung an der bfz-Fachschule für Heilerziehungspflege in Fürth – in Teilzeit.
Yasmin, wie kommt man als dreifache Mutter überhaupt noch mal auf die Idee, eine Ausbildung zu machen?
Schaad: Also, es war schon ein großer Schritt. Ich habe gemerkt, dass es mit meinem alten Beruf und der Familie einfach nicht klappen würde. Ich habe meine Ausbildung zur Arzthelferin mit 16 gemacht, direkt nach dem Quali. Wir in unserer Praxis hatten zum Beispiel immer ziemlich lange Mittagspausen, was bedeutete, dass wir abends lang da sein mussten. In Teilzeit hätte es aber finanziell nicht ausgereicht, also habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Ich will arbeiten, in einem Bereich, der mich interessiert und der mir etwas zurückgibt. Mein Onkel hat eine Behinderung, ich hatte als Kind viele Berührungspunkte auch zu anderen Menschen mit Einschränkungen. Meine Mama arbeitet auch in diesem Bereich, deshalb wusste ich, dass es hier Möglichkeiten gibt, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Blieb das Problem mit dem Weg dorthin, mit der Ausbildung dafür.
Das heißt, da wusstest du noch nicht, dass es die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin auch in Teilzeit gibt?
Schaad: Nein, das wusste ich nicht. Zum Glück habe ich aber vor drei Jahren eine Freundin im Freibad getroffen, die mir erzählt hat, dass sie gerade eine Ausbildung im Bereich Heilerziehungspflege in Teilzeit macht, an der bfz-Fachschule. Damit war für mich klar: Das ist es. Ich habe dann erst einmal die einjährige Ausbildung zur Heilerziehungspflegehelferin absolviert und mich dann entschieden darauf aufbauend nun Heilerziehungspflegerin zu werden. Diese Ausbildung in Teilzeit dauert drei Jahre.
War der Schritt eine gute Entscheidung? Gelingt es dir auch praktisch, Familie und Ausbildung unter einen Hut zu bekommen?
Schaad: Ganz ehrlich, der Tag ist schon vollgepackt. Bevor ich mich auf in Richtung Fürth mache, muss ich die Kleine in den Kindergarten bringen und die Großen, sie sind 15 und zwölf Jahre alt, bringe auch zur Schule oder zum Bahnhof. Der Kindergarten öffnet erst um 7 Uhr und ich habe bei schlechter Verkehrslage manchmal einen Anfahrtsweg von fast einer Stunde, da ist es gut, dass mein Unterricht erst um 8:15 Uhr beginnt. Der Unterricht geht meistens bis 13:15 Uhr, an zwei Tagen bis 15:15 Uhr. Freitags ist der Nachmittag frei, was super ist, weil die Kitas da meist auch früher schließen. Das ist wirklich super durchdacht. Die meisten hier in der Teilzeitausbildung sind Mamas, so wie ich. Nur drei sind Männer.
Und was passiert, wenn die Kinder mal krank werden?
Schaad: Auch da hat die bfz gut mitgedacht. Alle Unterrichtsmaterialien werden immer auch digital zur Verfügung gestellt – Lernskripte, virtuelle Tafeln, Fotos von Projekten, manchmal auch YouTube-Links. Wenn ich mal etwas verpasse oder früher gehen muss, kann ich alles nacharbeiten.
Aber es gibt doch sicherlich auch Präsenzphasen, an denen es wichtig ist, dass man da ist?
Schaad: Ja das stimmt, wir haben Unterricht an der Schule und Praxisphasen in Einrichtungen. Ich bin in einer heilpädagogischen Förderstätte für Erwachsene mit erworbener Hirnschädigung, Epilepsie oder Autismus. In den Praxiswochen arbeiten wir 25 bis 30 Stunden, also auch etwas reduziert im Vergleich zur Vollzeitausbildung. Übrigens kann ich auch in die Praxisstätten der anderen Mitschüler*innen reinschnuppern und sehen, wie es zum Beispiel in Wohnheimen, Kitas oder Schulen für Kinder mit Behinderung läuft. Unsere Ausbildung qualifiziert uns für ganz vielfältige Aufgaben. Und überall werden Leute gesucht. Wir werden dringend gebraucht. Das motiviert mich total.
Die Ausbildung hört sich ja recht anspruchsvoll an. Ihr lernt viel über Psychologie, Medizin und Pädagogik. Da musst du doch sicherlich auch viel zuhause lernen?
Schaad: Wenn ich nach Hause komme, dann bin ich voll für meine Kinder da. Auch die Jugendlichen brauchen mich. Deshalb lerne ich tatsächlich oft nachts, wenn die Kinder schlafen, oder stehe früh auf, um Lernkarten zu machen. Manchmal lerne ich mit meinen Kindern aber auch zusammen, wir fragen uns gegenseitig ab. Das motiviert wiederum meine Kinder. Sie sehen, dass Lernen wichtig ist und einen im Leben weiterbringt.
Trotz Teilzeit klingt das alles nach einer großen Herausforderung...
Schaad: Ja, das ist es. Ich bin froh, wenn es dann nächstes Jahr herum ist. Auch in Teilzeit ist das nicht zu unterschätzen, aber wenn man das will, dann geht das auch. In Vollzeit wäre das für mich gar nicht machbar gewesen. Bei allem Stress bin ich sehr froh, dass ich den Schritt gewagt habe.